Dienstag, 31. Oktober 2017

[#halloweenwoche17 - Letzter Tag] Lasst uns kreativ werden!

Schönen gruseligen Abend meine Freunde

Tretet ein letztes Mal näher - fühlt euch wie zu Hause in meiner Gruft!




Die heutige Tagesaufgabe lautet:

Keine Müdigkeit vortäuschen! Heute geht es ans Eingemachte! Wir wollen eine Kurzgeschichte, einen Prolog, ein Kapitel, ein Gedicht, ein Lied, whatever von euch sehen oder gar hören! Wichtige Bedingung: Es sollte zu Halloween passen und nein schnulzige Liebesgeschichten, mögen so manch einem Schauer über den Rücken jagen, aber heute dürfen sie in der Versenkung bleiben!

Den Hauptbeitrag findet ihr bei der lieben Christin.

Ich muss zugeben, ich habe mich vor der heutigen Aufgabe gegruselt... Dennoch habe ich mich ihr gestellt und bin zufrieden. Ich präsentiere euch den Einstieg in eine neue Geschichte - auf dass ihr einige gruselige Minuten erleben werdet.




DarkWalkers


Prolog - Roze

Ich erinnerte mich an ein Märchen aus meiner Kindheit. Die junge Frau darin wurde von ihrer Stiefmutter und ihren Stiefgeschwistern wie eine Sklavin behandelt. Durch eine glückliche Fügung ermöglichte ihr eine Fee die Teilnahme an einem Ball des Prinzen. Sie verlor ihren Schuh, er fand sie und heiratete die junge Dame. Alles war perfekt, die hinterhältige Familie war besiegt und sie konnte ein Leben in Saus und Braus leben. Wie endeten Märchen wie dieses? Und wenn sie nicht gestorben waren, lebten sie noch heute…
Schnaubend schüttelte ich den Kopf. Erzählungen wie dieses waren und blieben Märchen, nicht mehr und nicht weniger. Jeder wusste, dass es so etwas wie Glück nicht gab. Seit dem Auftauchen der Walker war alles anders. Es existieren verschiedene Gruppen Walker und jede besass spezielle Eigenschaften, die sie deutlich von Menschen unterschieden.
NightWalker zeichneten sich vorwiegend durch ihren Blutdurst aus. Zusätzlich erkannte man sie relativ schnell, da sich ihre Augen von normalen Menschen unterschieden. Meist silbern oder schwarz liess sich nur schwer bestreiten, ein Unsterblicher zu sein.
Die DayWalker ernährten sich von Menschenfleisch und bestachen durch ihre ausserordentliche Schönheit. Trotzdem konnte sie sich wesentlich einfacher unerkannt unter Menschen bewegen. Sie unterwarfen sich den NightWalkern, wieso war bis heute nicht bekannt.
Eine Gemeinsamkeit hatten beide Gruppen: Sie besassen so gut wie kein Gewissen und ihre Brutalität kannte keine Grenzen.
Wie viele Jahre waren seit dem Wandel vergangen? Ich hörte vor langer Zeit auf zu zählen. Für mich verlor alles an Bedeutung, als sich nicht nur das Schicksal der Menschen veränderte, sondern auch mein Leben eine Wendung nach. Selbst heute haderte ich mit dem Dasein, dass ich einem Walker verdankte. Jeden Tag verfluchte ich den Tag, an dem ich meinem Schicksal in Form eines Mannes begegnete, der nichts Gutes im Sinne hatte, sondern einzig und allein von seinem Blutdurst beherrscht wurde.
Niemals hätte ich die Einwilligung für eine Verwandlung in ein Wesen gegeben, vor dem jeder Normalsterbliche fliehen würde. Ich lernte damit zu leben, denn nur der Tod konnte meinem Dasein ein Ende bereiten. Allen Zweifeln und allem Hass zum Trotz klammerte ich mich an dem fest, was ich noch besass.
Nur mit Mühe konnte ich meine Gedanken bremsen, bevor sie mich vollends übermannten. In letzter Zeit fiel es mir schwer, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und die Vergangenheit auszublenden. Ich liess meinen Blick über die Strassen unter mir gleiten. Von meinem Aussichtspunkt auf einem Hochhaus konnte ich mir einen guten Überblick über die Situation verschaffen.
Fast schon gelangweilt seufzte ich leise. Egal wohin man blickte, nichts als Verderben und Unheil. Gewalt, Blut und Tod gehörte zum Alltag. Die Welt, in der ich lebte, unterschied sich komplett von dem Märchen aus meiner Kindheit. Happy Ends existierten nicht länger.
Mein Blick verfinsterte sich. Ich konnte mir nicht erklären, wieso ich mir das Schauspiel auf den Strassen immer wieder ansah. Seit mehr als 100 Jahren (schätzungsweise, da ich ja nicht genau gezählt hatte), lief jeder Tag gleich ab. Eigentlich erstaunlich, dass die Menschheit noch nicht ausgerottet war. Wobei… Nein, eigentlich war es alles andere als erstaunlich. Die Walker hatten sich im Laufe der Jahre ihre Methoden angeeignet, um den stetigen Nahrungsfluss nicht zu unterbrechen.
Da ich nichts auf Gerüchte gab, konnte ich nicht mit Gewissheit sagen, welche Methoden es waren. Auch das spielte keine Rolle. Ich hasste Menschenblut und ich hasste Menschenfleisch. Meine Besonderheit: Beides sorgte dafür, dass ich am Leben blieb. Schon Tage nach meiner Verwandlung stellte ich mir die Frage, wie ich mich am besten ernährte. Ein einziger Tropfen frischen Blutes oder ein winziger Bissen aus einem Muskel und ich verwandelten mich in eine reissende Bestie, die sich nicht bändigen liess.
Meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als ich eine Geknatter von Gewehrschüssen hörte. Dies war in der heutigen Zeit so selten wie Sonnenlicht. Von der Neugier getrieben stand ich auf und balancierte über den Rand des Abgrundes. Niemand würde mich hier oben sehen, nicht einmal andere Walker. Wieder ertönten Schüsse, so dass ich meine Schritte beschleunigte. Als ich das andere Ende des Daches erreichte, machte ich erstaunt Halt. Unter mir bot sich ein Bild, das ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen konnte.
Eine Gruppe Menschen, bewaffnet bis auf die Zähne und in Kampfmontur, näherte sich einer Gruppe Walker. Zwischen ihnen lagen einige Leichen; vielleicht besser für die Opfer, wenn sie die Auseinandersetzung nicht miterleben mussten. Nur konnte ich nicht genau sagen, ob der Tod durch Kugeln oder durch die Walker gnädiger war. Im Augenblick zählte jedoch etwas anderes: Wer waren diese Menschen? Und was dachten sie sich dabei, Walker anzugreifen? Ihnen hatte die Vergangenheit wohl nicht deutlich genug gezeigt, dass es vergebene Liebesmüh war. In ihnen musste der Wunsch nach dem Tod toben, anders konnte ich mir ihr Verhalten nicht erklären.
Meine Neugier war nun eindeutig geweckt, als die Menschen weiter vorrückten. Zu meinem Erstaunen fingen die ersten Walker an zu taumeln, ehe sie an Ort und Stelle zusammenbrachen. Ich konnte nicht erkennen, was die Ursache dafür war. Schnell schätzte ich die Höhe vom Dach zur Strasse ab, ehe ich einen Schritt nach vorne machte und mich fallen liess. Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen, genoss den kalten Wind, der mich umschmeichelte, mich willkommen hiess. Mit einem eleganten Salto landete ich sicher auf den Füssen. Immerhin ein Vorteil, der mein Dasein mit sich brachte. Höhen stellten kein Problem mehr für mich dar.
Die Dunkelheit war mein Freund, ich verschmolz wie ein Schatten mit ihr und schlich mich näher an die verfeindeten Gruppen heran. Ich runzelte die Stirn, als ich nur noch wenige Meter von dem Kampf entfernt war. Mir dröhnte der Schädel von den vielen Gewehrschüssen, meine Ohren reagierten unerwartet empfindlich darauf. Das war neu! Was war anders an den Waffen der Menschen? Wenn sie eine Möglichkeit gefunden hatten, die Walker zu besiegen, dann musste ich dem Ganzen auf den Grund gehen. Doch das musste warten, ein Schritt nach dem anderen.
Ich lehnte mich an die Mauer und beobachtete aus sicherer Entfernung das Geschehen. Die Walker schienen ernsthaft in Bedrängnis.
Sie wichen immer weiter zurück, während sich ihre Reihen lichteten. Die Kugeln mussten der Schlüssel sein, anders konnte ich mir nicht erklären, weshalb die Walker zusammenbrachen. Ob sie tot waren, war von hier aus schwer zu sagen. Nur eines war Gewissheit: Sie bewegten sich nicht mehr. Selbst als die Menschen sie erreichten, regten sie sich nicht. Entweder verursachten die Kugeln also den Tod oder sie waren derart stark betäubt worden, dass sie in Ohnmacht lagen. Einer der Menschen ging in die Knie, als er den ersten Walker erreichte, der auf dem Boden lag. Ohne zu zögern drehte er ihn auf den Rücken.
Ich erkannte nicht, was er genau mit ihm anstellte, aber nach ein paar Sekunden stand er wieder auf und nickte seinen Begleitern zu. Jetzt setzte sich die Gruppe wieder in Bewegung. Ein lautes Fauchen ertönte und die restlichen Walker verteilten sich in alle Himmelsrichtungen. Stirnrunzelnd wartete ich ab. Das Verhalten war alles andere als normal. Nichts konnte sie ängstigen, denn es gab keine Waffe, um sie zu besiegen – bis jetzt. Offensichtlich blieben die Menschen im Untergrund nicht untätig und fanden eine Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen.
Inzwischen war ich mir sicher, dass die Kugeln der Schlüssel waren. Ich musste eine in die Finger bekommen, um sie untersuchen zu können. Auch Einzelgänger hatten ihre Beziehungen und die würde ich mir zu nutzen machen. Es gab genügen Personen, die mir einen Gefallen schuldeten und denen ich vertraute.
Jetzt hiess es abwarten und beobachten. Ich wusste nicht, wie sie auf mich reagieren würden. Zwar gehörte ich zu den Walkern, aber niemand wusste genau, welcher Gattung ich zugeordnet wurde. Das Schicksal lachte bestimmt im stillen Kämmerlein über mich. Dazu verdammt ein unsterbliches Leben zu führen, war ich zudem etwas Besonderes, etwas Einmaliges. Manche Menschen erkannten, dass ich nicht zu ihnen gehörte, die meisten jedoch nicht. Vorsicht war angebracht, vor allem nach den Ereignissen von eben.
Durch die Gewehrschüsse war mein Gehör beeinträchtigt worden, so dass ich den Gesprächen nicht folgen konnte. Es war, als würde ich mich unter Wasser befinden. Alles war gedämpft. Nach einigen Minuten, in denen die Fremden die Leichen untersuchten, wagte ich es, näher zu schleichen. Ich musste wissen, worüber sich die Männer unterhielten. Aufgrund ihrer Bewegungen und den Stimmen, soweit ich sie wahrnahm, konnten keine Frauen bei dem Angriff beteiligt gewesen sein.
Nach einigen Metern konnte ich endlich die ersten Sätze hören. Vorsichtig wagte ich mich noch ein Stück vor, ehe ich mich hinter einen verrosteten Oldtimer duckte.
„Das wird den anderen gefallen.“, hörte ich einer der Männer sagen. Die anderen riefen durcheinander, stimmten ihm zu.
„Wir müssen mehr davon herstellen.“
„Gar nicht so einfach. Schon für diese Menge waren mehrere Jahre an Vorbereitung nötig.“
„Nur das Material muss aufgetrieben werden! Dann können wir loslegen und diesen Biestern den Gar ausmachen!“
Wieder stimmten alle zu, Gelächter erklang. Sie redeten von Meinesgleichen, den Walkern. Ich hegte keinen Zweifel daran, dass sie von den Kugeln Gebrauch machen würden. Aber wollte ich das? So verabscheuungswürdig ich mein Dasein auch fand, ich wollte nicht sterben. Ein leises Knurren entstieg meiner Kehle, ehe ich es verhindern konnte.
Sofort erstarb das Gelächter und das Geräusch von Waffen, die entsichert wurden, erklang. Schwere Schritte näherten sich meiner Position, doch ich war zu langsam. Meine Unachtsamkeit wurde nun bestraft. Ehe ich mich versah, war ich von eine Gruppe Männer umringt. Ihre Gesichter waren von schwarzen Masken bedeckt, doch in ihren Augen erkannte ich nichts als Hass.
Ich wollte etwas sagen, da trat einer von ihnen näher. Das musste der Anführer sein. Nur wenige Schritte vor mir blieb er stehen, blickte zu mir runter. Langsam, fast in Zeitlupe, zog er sich die Maske vom Gesicht und meine Welt fing an sich zu drehen und Schwärze hüllte mich ein.



1. Kapitel - Bryan
Der Angriff verlief wie geplant und der Ausgang der Auseinandersetzung war mehr als zufriedenstellend. Langsam schritt ich die Strasse entlang, war mir die Männer bewusst, die sich vor und hinter mir befanden. Ich vertraute jedem von ihnen blind, ohne zu zögern. Die Mordlust war noch immer in ihren Augen zu erkennen. Doch sie mussten sie zügeln. Wir konnten es uns nicht leisten, einer der unseren durch eine Dummheit zu verlieren.
„Durchsucht die Leichen.“, bellte ich, um sie von falschen Gedanken abzulenken.
Ich hatte nicht vor, untätig zuzusehen. Den ersten Walker, über den ich stolperte, nahm ich mir persönlich vor. Vorsichtig kniete ich mich hin, ehe ich den Körper abtastete. Zuerst versicherte ich mich, dass ich alle sichtbaren Waffen entfernt hatte, ehe ich die Taschen durchsuchte. Messer, Schlagringe, ein Feuerzeug... Der Walker trug nichts persönliches bei sich. Da ich mein eigenes Messer nicht mit dem schwarzen Blut des Walkers beschmutzen wollte, nahm ich ein Messer des Toten zur Hilfe. Ich schnitt sein Hemd auf und begutachtete das Werk der neuen Spezialkugeln. Austrittswunden konnte ich keine erkennen. Ich runzelte die Stirn und musterte die  Einschusslöcher. Das Gewebe war zerfetzt und hatte eine seltsame Färbung. Durch das dunkle Blut konnte man einen bläulichen Schimmer erkenne.
Das mussten sich unsere Wissenschaftler näher ansehen. "Auf dem Rückweg packen wir die Leiche ein."
Meine rechte Hand, die mir den Rücken deckte, nickte. Ich erhob mich und wir setzen unseren Weg fort. Jeder hier wusste, wie schnell sich unser Blatt wenden konnte. Nur mit Mühe konnte ich mich davon abhalten, mir die Maske vom Gesicht zu ziehen und über die raue Narbe zu fahren, die mich seit Jahren zeichnete. Nicht einmal mein bester Freund und engster Vertrauter Marcus kannte die Geschichte dahinter.
Selbst wenn ich gewollt hätte, ich konnte nichts sagen. Niemand durfte wissen, woher ich kam und wer ich in Wirklichkeit war. Nicht alles auf dieser Welt war Schwarz und Weiss. Es gab unheimlich viele Grauzonen, über die sich die meisten Menschen und Walker nicht bewusst waren. Der Krieg und das damit verbundene Elend hätte vermieden werden können, wenn die Machthabenden anders entschieden hätten. Ich schüttelte unmerklich den Kopf, versuchte die Erinnerungen und die damit verbundenen Gefühle zu verdrängen.
Hier ging es um die Walker und welchen Fortschritt wir im Kampf gegen sie machten. Im Moment waren unsere Feinde geschlagen, leckten ihre Wunden. Ich machte jedoch nicht den Fehler, sie zu unterschätzen. Hinter den einfachen Walker verbargen sich Mächte, die schwer in Worte zu fassen war. Die Ältesten zeigten sich äusserst selten, seit Jahrzehnten hatte sie niemand mehr gesehen. Ich schnappte immer wieder Gerüchte auf, in denen Walker behaupteten, dass die Ältesten bereits tot waren. Daran glaubte ich nicht. Es musste etwas anderes dahinter stecken, dass sie sich im Verborgenen hielten.

Meine Männer unterhielten sich leise über die Wirkung des neuen Wundermittels gegen die Walker. Mehr als ein Summen nahm ich nicht wahr, so sehr war ich in meine Gedanken vertieft. Ich musste mir um sie keine Sorgen machen, sie wahren trotz den Spässen und dem Gelächter wachsam, tödlich. Plötzlich wurde es seltsam still und sofort richtete ich meine Aufmerksamkeit auf meine Männer. Diese blickten zu einem Oldtimer, der schon besser Zeiten gesehen hatte und in schäbigem Zustand war.
Mir war von Anfang an wichtig gewesen, dass wir uns lautlos verständigen konnten, falls notwendig. Nun erwies sich dies als äusserst nützlich. Marcus gab mir das Zeichen, dass sich jemand hinter dem Wagen versteckte. Mit festen Schritten, gefolgt von den Soldaten, umrundete ich den Wagen und erkannte die Person, die die Unruhe verursachte.

Es war eine junge Frau, mit dunklen kurzen Haaren. Sie erstarrte in ihrer Bewegung, musterte uns aufmerksam. Ihre Körperhaltung kam mir bekannt vor und ich trat zwischen meinen Männern hindurch, die eine Wand um mich gebildet hatten. Beinahe wäre ich gestolpert, als ich erkannte, wer vor mir kauerte.
Niemals hätte ich gedacht, sie wieder zu sehen. Das letzte Mal, als ich sie gesehen hatte, gingen wir nicht als Freunde auseinander. Langsam, fast ein wenig zögerlich, zog ich mir die Maske vom Gesicht, offenbarte ich mir. Sofort weiteten sich ihre Augen, ich sah die Erkenntnis in ihnen. Auch sie erinnerte sich an mich! Ehe ich mich versah, verdrehte sie die Augen und fiel zur Seite.

"Wir wussten schon immer, dass du umwerfend bist.", scherzte Matthias, der ein hervorragender Soldat war, jedoch ein loses Mundwerk besass.
Ich hob genervt eine Augenbraue und überzeugte mich davon, dass sie sich nicht ernsthaft verletzt hatte. "Scheint nur eine Schramme zu sein. Bringen wir sie ins Hauptquartier - in eine Zelle!"
Eigentlich sträubte sich alles in mir gegen diesen Befehl, aber es war meine Pflicht. Ich konnte den Männern und Frauen, für die ich mein Leben geben würde, nicht in den Rücken fallen. Und ich sprach nicht von den Soldaten, die leise tuschelten, jedoch ohne zu zögern meine Befehle ausführten. Auch die Leiche des Walker wurde eingepackt, als wir uns zurückzogen.
Mein Blick fiel wieder auf die Frau, an die ich beinahe jeden Tag dachte, seit ich sie damals verliess. Roze... Oh ja, mit ihr hatte ich nicht gerechnet. Was tat sie hier? Nach meinem letzten Kenntnisstand dürfte sie nicht auf diesem Kontinent sein, geschweige denn in diesem Land. Wusste sie überhaupt, dass ich mich hier aufhielt? Vermutlich nicht, denn sie würde das Risiko, mir zu begegnen, vermeiden.

"Erzählst du uns, wer die Unbekannte ist?" Marcus Stimme riss mich aus meinen Überlegungen.
"Ihr Name ist Roze. Mehr müsst ihr im Moment nicht wissen.", gab ich forscher zurück als beabsichtigt.
Mir war bewusst, wie mein Verhalten wirkte, aber ich konnte nicht anders. Wie sollte ich ihnen erklären, in welcher Verbindung wir standen? Ich musste mir zuerst im Klaren darüber werden, was Rozes Auftauchen bedeutete und das am Besten schnell. Sobald wir die Basis erreichten, würde ich Rede und Antwort stehen müssen.
Ich war mir der Blicke bewusst, die auf mir ruhten, als ich mich wieder in Bewegung setzte, aber ich schwieg. Eine Entschuldigung wäre in dieser Situation kontraproduktiv, würde den Befehl unglaubwürdig aussehen lassen. Die Männer mussten mir vertrauen, daher beliess ich es dabei.



Der Weg zur Basis wies durchaus Tücken auf. Die Strassen konnten in einer so grossen Gruppe nur zu Fuss begangen werden. Schon vor Jahrzehnten hatten die Walker dafür gesorgt, dass kein Durchkommen mehr war. Gesteinsbrocken, ausrangierte Fahrzeuge und andere sperrige Gegenstände versperrten allen fahrtüchtigen Fahrzeigen den Weg. Ich erinnerte mich kaum noch daran, wann ich zuletzt mit einem Wagen von A nach B gefahren war. Mit den Jahren gerieten die Erinnerungen in Vergessenheit, die neuen Gegebenheiten wurden akzeptiert.
Gab es überhaupt noch Autos, die sich fahren liessen? Das konnte ich nicht mit Gewissheit sagen. Viele Dinge, die früher als selbstverständlich angesehen wurden, waren vernichtet worden. Ich war ohnehin schon immer jemand, der Technik kaum etwas abgewinnen konnte. Die Umstellung verlief daher Problemlos. Aber ich wusste, dass einige meiner Soldaten eine andere Meinung vertraten.
Viele von ihnen waren noch grün hinter den Ohren. Sie traten in die Fussstapfen ihrer Väter, die für ihre Verdienste geehrt wurden, die sie im Namen der Menschen geleistet hatten. Mir fiel es schon damals schwer, mich im Verborgenen zu halten. Schliesslich gelang es mir nicht mehr. Ich erinnerte mich noch gut an die Nacht, in der ich die Basis vor der Zerstörung gerettet hatte. Damals änderte sich vieles für mich und ich stand seither ständig unter Druck. Aufzupassen, was man sagte und tat, war nicht immer leicht. In manchen Situationen unterdrückte ich meinen Instinkt, alles andere würde meinen Tod bedeuten und das wollte ich nicht riskieren.

Ich bemerkte, wie meine Gedanken immer weiter in die Vergangenheit abschweiften und blinzelte ein paar Mal. Ablenkung konnte ich nicht gebrauchen. Die Strassen waren unser geringstes Problem, wenn die Walker beschlossen, uns anzugreifen. Sie kannten jeden Winkel der Stadt, machten die Dunkelheit zu ihrem zu Hause. Eines konnte man den Walker nicht unterstellen: Dummheit! Oh nein, sie wussten genau, was sie taten und wie sie dabei am effektivsten waren.
Die Stille um uns herum wurde nur durch das Geräusch unserer Schritte unterbrochen. Normalerweise verliess ich mich auf mein Bauchgefühl. Roze hatte mich jedoch aus dem Konzept gebracht. Heute war alles möglich, so dass ich doppelte Vorsicht walten liess.

"Ziemlich ruhig.", brummte Marcus und legte den Kopf leicht schief.
Meine rechte Hand bemerkte nicht, dass er diese Geste immer machte, wenn er nervös war.
"Wir müssen wachsam sein. Keine Ahnung, was diese Bestien planen."
Bestien... Ja, das waren Walker tatsächlich. Intelligente Monster mit einer klaren Hirarchie, was es den Menschen erschwerte, sich gegen sie zur Wehr zu setzen. Die Machtverhältnisse waren beim Sturz des Homo Sapiens schnell neu definiert worden. Walker hatten das Sagen, Menschen nicht. Sie waren Sklaven, Beute, Dinge. Sie besassen keine Rechte mehr, nur noch Pflichten.
"Nicht Gutes, nichts Gutes.", murmelt einer der Soldaten vor sich hin.
In der Tat kannten Walker nichts als Grausamkeit. Von Blutdurst und Gier nach frischem Menschenfleisch getrieben, jagten sie ununterbrochen. Die Obersten sorgten dafür, dass immer genug Nachschub vorhanden war. Bei dem Kunsum dürften Mesnchen nicht länger auf Erden wandeln. Um die Gerüchte, weshalb das nicht der Fall war, würde ich mich später kümmern.
"Legen wir einen Zahn zu, wir haben noch ein ganzes Stück vor uns."

Ohne zu murren beschleunigten sie die Schritte. Mein Blick fiel auf Roze. Nach wie vor war sie ohnmächtig, was ich begrüsste. Sie k.o. schlagen zu müssen, stand ganz weit unten auf meiner Liste. Ich musste mir auf dem letzten Streckenabschnitt überlegen, was ich der Leitung der Basis erzählte. Sie würden sich nicht so leicht vertrösten lassen wie meine Männer. Oh nein, die Zeit der Ausflüchte war bald vorbei. Hilflosigkeit machte sich in mir breit, ein seltsames Gefühl.
Die Wahrheit musste verborgen bleiben. Mein Leben stand auf dem Spiel und auch das von Roze hing davon ab. Ich würde nicht verhindern können, dass sie herausfanden, dass Roze kein Mensch war. Ihre Augen liessen nicht sofort darauf schliessen, doch ihre Fänge sprachen eine deutliche Sprache. Daher musste ich einen Mittelweg zwischen Lüge und Wahrheit finden.
Niemand würde glauben, dass Roze und ich flüchtige Bekannte waren. Ich wusste, dass meine Blicke Bände sprachen. Die hübsche Brünette war seit jeher meine Schwäche. Selbst heute existierte die Anziehungskraft, hatte kein Stück nachgelassen. Ich fasste einen Entschluss: Improvisation musste genügen, um die Leiter der Basis zu überzeugen. Was wäre wenn Gedanken lieferten mir keine Lösung.

Um den drohenden Kopfschmerzen, die all diese Gedanken auf den Plan riefen, fing ich an stumm zu zählen. Zahlen beruhigten mich, halfen mir, mich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Genau das braucht ich jetzt!f Keine weiteren Ablenkungen, keine Gedanken mehr über Roze, kein Erinnerungen - einfach nur ich und der Marsch. Nach ein paar Minuten überkam mich endlich die Ruhe, nach der ich mich sehnte und so konnte auch der letzte Abschnitt in Angriff genommen werden, so dass wir sicher in der Basis ankommen würden.

2. Kapitel - an einem geheimen Ort

Schreie klingen durch die Gänge, hallen an den Wänden wieder. Niemand hörte die Schreie, niemand ausser einer Frau in einem weissen Kittel. Sie sah kurz auf und strich sich nachdenklich durch die Haare, ehe sie sich wieder in ihre Notizen vertiefte.

Als sie erneut gestört wurde, legte sie die Notizen zur Seite und stand auf. Langsam ging sie auf die Liege zu, die sich in der Mitte des Raumes befand. Der junge Mann, der darauf festgebunden war, verstummte sofort. In seinen Augen spiegelten sich Panik und Angst.

"Du solltest wissen, dass dir niemand zu Hilfe eilen wird. Also hör auf mit deinem Geschrei, ich kann mich nicht konzentrieren. Du willst doch nicht, dass ich böse werde?", säuselte sie ihm leise ins Ohr, strich ihm dabei sanft über die Wange.
Sie spürte sein Zittern unter ihren Fingern und fast unmerklich glitt ein Lächeln über ihre Lippen. Die Angst ihrer Versuchskaninchen bescherte ihr Gänsehaut, immer wieder aufs Neue. Sie liebte es, die Angst in ihren Augen zu sehen, die Panik. Und auch die Hoffnung, die alle von ihnen bis zum Schluss hegten. Oh ja, in gewissen Bereichen waren alle Personen gleich. Jeder von ihnen behauptete zu Beginn etwas anderes, aber ein Schnitt, ein Stich... und sie fingen an um Gnade zu flehen.
Dem Mann vor ihr lief eine Träne über die Wange, hinterliess eine feuchte Spur und tropfte schliesslich auf die Liege. Die letzte Phase war also angebrochen.
"Dann sind wir uns einig? Du hörst auf zu schreien und ich verspreche dir, deine Schmerzen hören für eine Weile auf."
Bevor sie zurück zu ihrem Schreibtisch ging, wartete sie auf das Nicken des Mannes, das auch prompt kam. Seufzend strich sie ihm erneut über die Wange. Sie waren alle gleich, ausnahmslos.
 
To be continue...

Ich hoffe sehr, euch gefällt der Einstieg und ihr hattet eine tolle, gruselige Woche mit uns.
Nun zeigt her eure Geschichten :)

Liebe Grüsse
Eure Sabs

Kommentare:

  1. Streeeeeeber XD
    Junge, junge, ist die Story schon komplex. Du hast eindeutig zu viel Zeit :P
    Aber ist interessant. Ich würde wohl weiterlesen!
    Und glaub du bist die einzige mit Zombies heut?!

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    Antworten
    1. Es sind keine Zombies ;) ;) Es sind Vampire :D Ich mag Zombies nicht sonderlich ;)

      Nix Streber :D :P Es ist einfach gut gelaufen ;) Ich werde sie auch auf jeden Fall zu Ende schreiben :)

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  2. Spot on with this write-up, I actually feel this site needs a lot more attention. I'll probably
    be returning to read more, thanks for the information!

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Blogumzug!

Hallo ihr Lieben :) Auch bei mir ist es nun soweit, ich ziehe auf Wordpress um :D Die neue Blogadresse lautet: http://sabsbookparadise.c...

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