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Rezension zu 'Bis ans Ende der Geschichte' von Jodi Picoult





Eckdaten



Verlag: C. Bertelsmann
Aus dem Amerikanischen von Elfriede Peschel         
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag

560 Seiten
ISBN: 978-3-570-10217-6

Erscheinungsdatum: 31.08.2015
Homepage des Verlages: ** hier klicken **


Klappentext


Sage Singer ist eine junge Bäckerin. Sie hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und fühlt sich schuldig, weil sie den Wagen gelenkt hat. Um den Verlust zu verarbeiten, nimmt sie an einer Trauergruppe teil. Dort lernt sie den 90jährigen Josef Weber kennen. Trotz des großen Altersunterschieds haben Sage und Josef ein Gespür für die verdeckten Wunden des anderen, und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Als Josef ihr eines Tages ein lang verschwiegenes, entsetzliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen. Wenn sie einwilligt, hat das allerdings nicht nur moralische, sondern auch gesetzliche Konsequenzen. Sage steht vor einem moralischen Dilemma: Denn wo befindet sich die Grenze zwischen Hilfe und einem Vergehen, Strafe und Gerechtigkeit, Vergebung und Gnade?

(Quelle: C. Bertelsmann)

Meine Meinung

Ich möchte als erstes sagen, dass ich so gut es geht vermeiden werde, zu spoilern - das ist bei diesem Buch aber alles andere als leicht. Bitte verzeiht mir, wenn der ein oder andere kleine Spoiler vorkommen sollte. Aber nun zum Buch:

Jodi Picoult sucht sich bekannterweise für ihre Bücher immer sehr spezielle und zum Teil auch heikle Themen aus, so auch in diesem Buch. Dieses Mal hat sie sich für den Holocaust entschieden. Für mich ein Thema, welches viel zu wenig in Büchern behandelt wird und das, obwohl vermutlich jeder weiss, was zum Zeit des zweiten Weltkrieges passiert ist.

'Bis ans Ende der Geschichte' macht es mir nicht leicht, eine Rezension zu schreiben. In mir geht so viel vor, wenn ich an das Buch und die Geschichte denke. Für mich war es eine Achterbahn der Gefühle und auch jetzt noch denke ich über das nach, was in dem Buch geschrieben steht.

Die Autorin sagt selbst, dass ihre Charaktere in dieser Form nicht existiert haben und somit fiktiv sind. Dennoch sind die Ereignisse während des Krieges durchaus real und ich persönlich denke, es gibt vielleicht wirklich eine Frau oder einen Mann, der alles so oder ganz ähnlich durchgemacht hat. Wieso auch nicht? Tausende von Schicksalen sind nicht bekannt, weil keine Angehörigen mehr leben, die ihre Geschichten erzählen könnten.

Mir hat sehr gut gefallen, dass die Geschichte aus Sicht verschiedener Personen erzählt wird. Zum einen haben wir Sage - eine junge Frau, die durch einen schweren Autounfall ihre Mutter verloren hat und noch immer mit ihrer Trauer kämpft. Um die Spuren des Unfalls auf ihrem Körper vor anderen Menschen zu verstecken, arbeitet sie als Bäckerin - die Arbeitszeiten sind so gelegt, dass sie niemandem begegnen muss. Zeitgleich versucht sie ihre Trauer in einer Trauergruppe zu verarbeiten.
Dabei lernt sie Josef kennen - einen Rentner in seinen 90ern. Er freundet sich mit Sage an und eine aussergewöhnliche Beziehung entwickelt sich, die nichts mit Romantik zu tun hat. Doch eines Tages vertraut er ihr ein Geheimnis an, das ihn über 70 Jahre begleitet hat. Damit bringt er Sage in ein Dillema - wie kann sie seiner Vorderung nachkommen, nachdem was er ihr erzählt hat?
Sie würde sich strafbar machen und gleichzeitig stellt sie sich die Frage, ob Josef überhaupt verdient hat, um was er sie bittet. Oder sollte er mit seinem Gewissen so lange weiterleben, bis die Natur ihren Lauf nimmt?
In ihrer Not bittet sie Leo um Hilfe - er hat sich zur Berufung gemacht, Naziverbrecher zu jagen und obwohl er zuerst skeptisch ist, stellt er Nachforschungen an und hilft Sage schliesslich.
Und dann hätten wir noch Minka, die Grossmutter von Sage und eine Überlebende von Ausschwitz. Sie erzählt ihre Geschichte und hilft dadurch ihrer Enkelin, die Entscheidung zu treffen, die ihr so schwer fällt.

Und es gibt immer wieder kleine Kapitel, in denen eine Geschichte erzählt wird, die mit Minka und ihrem Überleben zu tun hat - aber was genau, das müsst ihr natürlich selbst lesen.

Mir hat die Verknüpfung der Personen sehr gut gefallen, auch wenn ich zugeben muss, das Ende hat mich sehr überrascht. Ich hätte mit zwei Dingen, die passieren bzw. die man erfährt, absolut nicht gerechnet.

Der Teil, der Minka aus ihrer Sicht erzählt... Der hat mich wirklich alle Nerven gekostet. Es gab eine bestimmte Seite (S. 320), die war mein totaler Over-Kill! Ich konnte einfach nicht aufhören zu heulen und musste das Buch weglegen. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich beruhigt und das gelesene verarbeitet habe.
Es war nicht das Gefühl, dass Jodi Picoult beschrieben hat - denn das hat ehrlich gesagt sogar ein wenig gefehlt. Mich haben die Ereignisse, gekoppelt mit der Tatsache, dass solche Dinge wirklich passiert sind, einfach aus den Socken gehauen.
Jodi Picoult hat in diesem Buch bei den Erzählungen, die den Holocaust direkt betreffen, eher wenig Gefühlt reingebracht. Ich möchte damit nicht sagen, dass das Buch keine Emotionen hat. Es ist vielmehr so, dass man spürt, wie die Personen nach und nach werden - sie finden sich mit der Situation ab, eine gewisse Gleichgültikgeit schleicht sich ein usw. Versteht ihr was ich meine?
Für mich ist es ziemlich schwer zu beschreiben, was es mit den Gefühlen und Emotionen im Buch auf sich hat. Es ist etwas ganz Spezielles und einem wird auf spezielle Art und Weise der Boden unter den Füssen weggezogen. Aber am Meisten, wie bereits erwähnt, ist die Tatsache berührend, dass es den Holocaust gab und obwohl die Charaktere fiktiv sind, sind es die Ereignisse nicht.

Ein wenig gestört hat mich die kleine Liebesgeschichte um Sage - sie ging mir dann doch ein wenig zu schnell. Aber das ist nur ein kleiner Nebenaspekt, der meine Bewertung des Buches nicht beeinträchtigt.

Sage hat mir als Charakter sehr gut gefallen. Ihre Zerrissenheit war gut getroffen und ich konnte sie sehr gut verstehen. Auch wenn sie mich gegen Ende sehr überrascht hat - ich hätte nicht gedacht, dass sie so handelt.

Josef... Ich kann ihn einfach nicht verstehen - ein Mensch hat einen freien Willen und dann einen auf Unschuldig zu machen bzw. alles zu tun, um die eigenen Tagen wieder gut zu machen oder es zumindest zu versuchen... Naja - er war mir durch seine Vergangenheit nicht sonderlich sympatisch.

Am Besten hat mir jedoch Minka gefallen... Mir fehlen die Worte, um sie zu beschreiben und ich denke, dass ich es nicht schaffen würde, ihr gerecht zu werden. Ihr müsst sie selbst kennen lernen und werdet verstehen, was ich meine.

Das Cover finde ich wunderschön und ich finde, es passt super zur Geschichte.

Fazit


Für mich ein Buch, zu einem ernsten Thema und welches mich sehr berührt hat. Volle fünf Sterne von mir!
 
Haltet auf jeden Fall die Augen und Ohren offen - zu diesem Buch und zur Autorin wird es ein kleines Special geben. Ihr könnt gespannt sein.

Weitere Bücher der Autorin


Danke geht an
für das Rezensionsexemplar

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